00:00:00: Antenne Gott und die Welt, der Podcast.
00:00:03: Adieu, liebes Meer.
00:00:05: Jetzt, mitten im November, denke ich über einen Abschied nach, dem mir jedes Jahr aufs Neue schwerfällt.
00:00:11: Der Abschied vom Meer.
00:00:13: Schon als Kind weiß Tradition, dass wir dem Meer am letzten Urlaubstag zum Abschied zugewunken und laut bis nächstes Jahr gerufen haben.
00:00:21: Nun einige Jahre später hat sich daran nichts geändert.
00:00:24: Natürlich weiß ich mittlerweile, dass man, wenn alles passt, jederzeit ans Meer fahren könnte.
00:00:30: Aber eben nur könnte.
00:00:31: Vor allem in der kalten Jahreszeit denkt man sich, dass man die Weihnachtszeit besser zu Hause genießt, es im Jänner am Meer zu ungemütlich ist und im Februar warten schon die Pisten und selten Strände auf einen.
00:00:43: Klingt nach guten Ausreden.
00:00:45: Ich nehme jetzt einfach mal vor, sobald es möglich wieder ans Meer zu fahren.
00:00:49: Egal ob zu kalt oder zu wenig, denn Meer ist Meer.
00:00:53: Und mit solchen Aussichten fällt der nächste Abschied davon vielleicht schon gar nicht mehr so schwer.
00:01:12: Tränen und lächeln.
00:01:14: Jeder Mensch trauert anders, eine Erkenntnis, die ich erst hatte, als meine Oma vor einigen Jahren verstorben ist.
00:01:21: Während der eine sich in geselliger Runde ablenkt und vermeintlich zu oft und laut lacht, weint der andere im Stillen und leidet sichtbarer.
00:01:30: Und dennoch, beide haben Recht, denn geht es um Trauern, gibt es kein richtig oder falsch.
00:01:36: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Tränenkanal gefühlt irgendwann leer, der Schmerz deshalb jedoch nicht maßgeblich kleiner geworden ist.
00:01:44: Diesen Schmerz einfach zuzulassen ist für mich persönlich die beste Herangehensweise, denn auch nach Jahren gibt es manchmal Momente, in denen mir ohne jegliche Vorwarnung Tränen in die Augen schießen, wenn ich an meine Oma denke und mir gemeinsame Erlebnisse, Gespräche und Situationen in den Sinn kommen, die es so nie mehr geben wird.
00:02:03: Ich habe für mich gelernt, dass diese Momente auch wieder ziehen.
00:02:07: Leichter fällt es mir jedoch, wenn ich wirklich jede Träne zu Ende weine und diese Gedanken mit einem traurigen, aber doch vorhandenen Lächeln beende.
00:02:15: Denn meine Oma hatte mich am liebsten mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
00:02:31: Neuer Alltag, neues Glück.
00:02:33: Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, welche Emotionen ein Job wechselt und der damit verbundene Abschied von meiner allerersten fixen Arbeitsstelle auslöst, hätte ich maximal den Kopf geschüttelt und vielleicht sogar darüber gelacht.
00:02:45: Aber da stand ich nun und beschloss, nach sieben Jahren meiner ersten fixen Vollzeitstelle aus diversen Gründen den Rücken zu kehren und einen Neuanfang zu wagen.
00:02:55: Neue Stadt, neues Thema und vor allem neue Leute.
00:02:59: Der Abschied vom alten Job war schwer.
00:03:01: Kurzzeitig kickte ein verklärter Blick auf all die Unzufriedenheiten der letzten Monate und augenblicklich kam in den Sinn, einen riesengroßen Fehler gemacht zu haben.
00:03:11: Dieser Zustand hat sich jedoch schnell gelegt und ja.
00:03:15: Es war die richtige Entscheidung.
00:03:16: Es klingt abgetroschen, wenn man sagt, dass man mit den Herausforderungen im Leben wächst.
00:03:21: Aber es stimmt halt leider wirklich.
00:03:23: Das einzig wirklich schwere war im Endeffekt der Abschied von lieb gewonnenen Arbeitskolleginnen und vom gewohnten Alltag.
00:03:30: Und dennoch, dieser Wechsel hat mir gut getan und dennoch verhält es sich mit dem ersten Job eigentlich wie mit der ersten Liebe.
00:03:38: Die vergisst man ja auch nie mehr.
00:04:00: Abschied von Damals.
00:04:01: Ich bin jetzt und dreißig Jahre alt und merke immer mehr, dass Dinge nicht mehr so sind, wie sie früher einmal waren.
00:04:07: Sei es die Zeit rund um Weihnachten, wenn man als Kind in den Wochen davor bei jedem Türchen des Adventkalenders aus Vorfreude schon fast geplatzt ist, das Kribbeln im Bauch, wenn man nach einem harten Schuljahr endlich das Zeugnis in Händen hielt und einen Sommer voller unbekannter Abenteuer vor sich hatte oder auch das ausgelassene Feiern nachgefüllt jeder Prüfung an der FH, völlig egal, ob bestanden oder nicht.
00:04:31: Das Leben ist ernster geworden.
00:04:33: Leiser.
00:04:34: An manchen Tagen auch sicher langweiliger als damals.
00:04:37: Und ich bin ehrlich.
00:04:38: Ich kann und will mich jedoch mit Anfang dreißig von dieser vorhin genannten Unbeschwertheit noch nicht verabschieden.
00:04:44: Wieso wollen plötzlich gefühlt alle so leben, als wären wir mit einem Bein schon im Seniorenheim?
00:04:49: Ich sage in Zukunft Ja zum nächsten spontanen Trip übers Wochenende.
00:04:54: Sag Ja zu noch einem Spritzer, obwohl ich wahrscheinlich schon genug hatte.
00:04:58: Sag Ja zu kindlichen Vorfreude auf Weihnachten.
00:05:01: Und ganz ehrlich, wenn man sich's spannend und lustig gestaltet, freue ich mich sogar schon ein bisschen auf Seniorenheim, aber nur mit meinen Freunden und einer Menge unbeschwerter Erinnerungen im Gepäck.