00:00:00: Antenne Gott und die Welt, der Podcast.
00:00:03: Schulanfang.
00:00:05: Das ist ein Wort, das bei mir gleichzeitig Wehmut und Vorfreude ausgelöst hat.
00:00:11: Wehmut, weil die Ferien vorbei sind.
00:00:13: Vorfreude, auch weil ich meine Freunde und Freundinnen wiedergesehen habe.
00:00:18: Und weil ich gespannt war, wie wir das werden, wie das ganz anders.
00:00:22: Mögen mich meine Freunde und Freundinnen überhaupt noch?
00:00:25: Und wie werde ich dieses Jahr werden?
00:00:28: Viele Fragen.
00:00:29: und im Bauch vorfreudige und sorgenvolle Gefühle.
00:00:33: Nicht nur bei Schülerinnen, sondern ja auch bei Lehrerinnen, Direktorinnen und nicht zuletzt bei den Eltern.
00:00:41: Schulanfang.
00:00:42: Da wollen wir als Kirchen unterstützen.
00:00:45: Mit der Aktion Segen to Go Back to School werden mitwirkende unterschiedlicher Kirchen gemeinsam auf Menschen zugehen und ihnen, wenn sie wollen, den Segen Gottes zum Schulbeginn zusprechen.
00:00:59: Segen.
00:00:59: Das ist ein Mutmacher, ein Kraftgeber.
00:01:02: Gott ist bei dir und begleitet dich.
00:01:05: In allen was kommt, wie es wird, wie es sich ja wie du dich entwickelst.
00:01:10: Geistlich und lein gemeinsam.
00:01:13: Unter anderem mit Segentatus, Segensarmbändern, durch Handaufligung, in Graz, am eisernen Tor und im City Park und in Gleisdorf.
00:01:22: Am Schulanfangstag von elf Uhr, dreißig bis vierzehn Uhr.
00:01:25: Wir haben ein offenes Ohr und wohlwollende Herzen für alle, die kommen, mit ihren ganz persönlichen Neuanfängen.
00:01:46: Heute fand in Graz und in Gleisdorf zu Schulbeginn die Aktion Segen to Go, Back to School statt.
00:01:53: Schülerinnen, Eltern, Lehrerinnen und alle, die vorbeikamen und den großen Regenbogen gesehen haben, konnten einen Segen bekommen.
00:02:02: Für ihre Anliegen, für ihre neue Anfänge.
00:02:05: Die Aktion Segen to Go fand nun zum dritten Mal statt.
00:02:09: Sie ist eine von einer ganzen Reihe eher außergewöhnlichen kirchlichen Aktionen.
00:02:15: Wie zum Beispiel die öffentlichen Fußwaschungen zu Grü-Donnerstag oder die Aktion Sharing and Caring.
00:02:22: Sankt Martin, vier Punkt Null.
00:02:24: Gemeinsam haben sie zunächst, dass sie alle in der Öffentlichkeit stattfinden.
00:02:29: Fußgängerzonen, in Shoppings, in Parks, auf öffentlichen Plätzen.
00:02:34: Pop-Up-Church nennt sich das.
00:02:36: Die Überzeugung.
00:02:37: Früher kamen die Leute vielleicht von selbst in die Kirche, heute ist das nicht mehr so.
00:02:43: Also gehen wir als Kirchen raus aus den Kirchen und suchen Menschen dort auf, wo sie sind.
00:02:49: Mit der Überzeugung unseres christlichen Glaubens von der bedehungslosen, lebensbejahenden Botschaft der Liebe Gottes zu allen, haben wir, so glauben wir, viel zu geben.
00:03:00: Ein offenes Ohr für die Freuden, Sorgen und Leiden unserer Mitmenschen.
00:03:04: Ein wohlwollender Blick als ein, du bist geliebt, unendlich viel wert.
00:03:10: Ein geliebtes Kind, ein geliebter Mensch Gottes.
00:03:12: Das soll spürbar werden.
00:03:26: Pop-up-Church-Aktionen, wie die Aktion Segen to Go zum Schulbeginn am letzten Montag, sind ein relativ neues kirchliches Format.
00:03:34: Neben dem gestern erwähnten Pop-up-Church-Charakter, nicht warten, bis die Menschen in die Kiere kommen, sondern raus aus den Kieren zu den Menschen hin, ist auch besonders, dass hier nicht eine Kirche allein, sondern viele Kirchen gemeinsam handeln.
00:03:49: Wir sind überzeugt.
00:03:50: Wir sind verschieden.
00:03:51: Evangelisch, katholisch, freikirchlich.
00:03:54: Aber wir sind auch überzeugt.
00:03:55: Gemeinsam schaffen wir mehr.
00:03:57: Wir können in versöhnter Vielfalt besser gemeinsam handeln für die Menschen unseres Landes, unserer Städte, unserer Dörfer.
00:04:06: Daher nennt sich die Gruppe auch Kirche mit und für andere.
00:04:11: Wichtig ist uns dabei, dass über Ingelium die frohe Botschaft gilt allen Menschen, nicht nur denen in der Kirche.
00:04:17: Daher wollen wir in verschiedenen Aktionen Menschen, diese aufbauende und lebensbejahende Botschaft zusprechen, spürbar werden lassen.
00:04:27: Das ist der Sinn von Kirchen.
00:04:29: Diese Botschaft kann Grenzen überwinden zwischen Gott und mir, zwischen Menschen und eben auch zwischen Kirchen.
00:04:57: Wenn wir als Kirchen Pop-up-Church-Aktionen durchführen, wie die öffentlichen Fußwaschungen oder unlängstsägen-to-go zum Schulstart, dann machen wir uns damit angreifbar.
00:05:08: Angriffbar, weil Menschen manchmal verärgert auf unsere reagieren.
00:05:12: So recht meine ich, wenn sie uns als Kirchen unsere Schlechttaten, die Sünden der Kirche vorwerfen.
00:05:19: Denn Kirchen haben in ihrer langen Geschichte, manchmal sogar im Namen Gottes, auch furchtbares Leid über Menschen gebracht, Hass und Intoleranz gelebt und gepredigt.
00:05:30: wie wohl auch politische Systeme, Staaten oder andere Institutionen und Organisationen viel Schuld auf sich kommen haben lassen.
00:05:39: Wir wollen hier nicht relativieren, sondern bekennen und Reue zeigen.
00:05:42: Wie wohl wir es anders machen wollen?
00:05:44: Ich bin mir auch gewiss, wir bleiben auf Vergebung angewiesen.
00:05:48: Manchmal entwickelt sich aus den Vorwürfen und verbalen Angriffen auch ein gutes Gespräch, denn manchmal steckt auch etwas anderes dahinter.
00:05:58: Ein eigener Schmerz, ein eigenes Leid, eine eigene gespürte Unzulänglichkeit.
00:06:04: Das zentrale Symbol des Christentums ist das Kreuz, keine Sonne, kein blauer Himmel, sondern das Kreuz, ein Folter und Todesinstrument.
00:06:15: Weil wir glauben, Gott sieht uns in unserem Leid ja auch in unserer Schuld.
00:06:19: Gott!
00:06:20: Begegnet hier nicht mit Härte und mit Verurteilung, sondern mit Annahme, Vergebung und Versöhnungsangebot.
00:06:27: Das wollen wir leben.
00:06:28: Deshalb machen wir Kirche angreifbar.
00:06:31: Ihr Markus Hütter, evangelischer Pfarrer in Graz.